Stellen Sie sich vor, Lernen wäre mehr als nur Bücher und Unterrichtsstunden – es wäre ein aktives Entdecken, Erforschen und selbstständiges Gestalten. Genau das haben unsere Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe im realschulbezogenen Schulzweig während der diesjährigen Projektwoche erlebt. Im Mittelpunkt stand ein Thema, das unsere Welt zunehmend prägt: der reflektierte Einsatz von Künstlicher Intelligenz im eigenen Lernprozess. Viele Jugendliche begegnen KI längst im Alltag. In der Schule geht es jedoch darum, diese Technologie bewusst und sinnvoll zu nutzen. Die Projektwoche zeigte, wie digitale Werkzeuge nicht das Denken ersetzen, sondern es unterstützen können – indem sie Denkanstöße liefern, Ideen strukturieren und neue Perspektiven eröffnen.
Zu Beginn der Projektarbeit stand die Suche nach einer passenden Forschungsfrage. Die Schülerinnen und Schüler sammelten Ideen, diskutierten verschiedene Ansätze und schärften ihre Fragestellungen Schritt für Schritt. Dabei wurde schnell deutlich: Je klarer die Frage formuliert ist, desto hilfreicher und relevanter sind die Antworten. Die KI half, die Gedanken zu ordnen, neue Impulse zu geben und alternative Lösungswege aufzuzeigen. Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Entwicklung von Prompting-Kompetenz – also der Fähigkeit, Anfragen an die KI gezielt und präzise zu formulieren. Die Lernenden erfuhren, dass gute Ergebnisse nicht von der Technologie allein kommen, sondern vom eigenen Denken, vom sorgfältigen Formulieren und vom kritischen Prüfen der Ergebnisse. So wurde die KI zu einem Werkzeug, das eigenverantwortliches und reflektiertes Arbeiten unterstützt.
Von Beginn an arbeiteten die Schülerinnen und Schüler vom angestrebten Handlungsprodukt her: Sie überlegten, welches konkrete Ergebnis sie erreichen möchten, und leiteten daraus ihre nächsten Arbeitsschritte ab. Mit Unterstützung der KI planten sie ihre Projekte, strukturierten ihren Zeitplan und entwickelten ihre Forschungsfrage weiter. Gleichzeitig lernten sie, Ergebnisse kritisch zu bewerten und eigene Entscheidungen zu treffen. Diese Verbindung von Technik, Kreativität und Reflexion entspricht auch den Zielen des Thüringer Lehrplans und den Vorgaben des Thüringer Schulgesetzes: Schule soll junge Menschen befähigen, selbstständig zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und kritisch zu denken.
Die Projektwoche machte deutlich, wie modernes Lernen aussehen kann: eigenständig, gemeinschaftlich, kreativ und technologiegestützt, ohne dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Ideen und ihr eigenes Denken verlieren. Es ist genau dieses Zusammenspiel aus Reflexion, Eigenverantwortung und innovativer Unterstützung, das Schule heute zukunftsorientiert macht. Am Ende zeigte sich ein zentrales Ergebnis: Künstliche Intelligenz ersetzt nicht die Schülerinnen und Schüler, sondern eröffnet ihnen neue Wege, bessere Fragen zu stellen, klarer zu denken und ihre Projekte bewusst zu gestalten. So wird Schule zu einem Ort, an dem Zukunft aktiv gestaltet wird – und unsere Schülerinnen und Schüler erfahren, wie sie selbst zu Gestalterinnen und Gestaltern ihrer eigenen Lernwege werden.