Was Lehrkräfte für psychisch belastete Schülerinnen und Schüler tun können
Auch in diesem Schuljahr setzten sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9a, 9b sowie der IAP1 der Regelschule am Kiliansberg intensiv mit einem Thema auseinander, das für ein gelingendes Leben von zentraler Bedeutung ist: die seelische Gesundheit. Am Dienstag, den 24. Februar, und am Donnerstag, den 26. Februar 2026, nahmen die Klassen 9a und 9b mit ihren Klassenlehrkräften Frau Kriwan und Herr Schipper am Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“ teil. Die Klasse IAP1 schloss sich am Dienstag, den 3. März 2026, mit ihrer Klassenlehrerin Frau Kaintoch an und erlebte ebenfalls einen eindrucksvollen Projekttag im Max' Inn (Meininger Kinder- und Jugendzentrum der AWO), der Jugendliche dazu ermutigt, offen über Gefühle, Krisen und persönliche Stärke zu sprechen.
Bereits zu Beginn entstand eine vertrauensvolle und zugewandte Atmosphäre. Nach einer herzlichen Begrüßung bot eine Kennenlernphase Raum für erste Begegnungen, bevor in einer offenen Fragerunde unterschiedliche Aussagen rund um psychische Gesundheit diskutiert wurden. Die Jugendlichen positionierten sich, tauschten Gedanken aus und merkten schnell: Über seelische Themen zu sprechen verbindet und öffnet neue Perspektiven.
Besonders lebendig wurde es in der anschließenden Recherchephase. In Kleingruppen begaben sich die Schülerinnen und Schüler mithilfe von Smartphones und KI-gestützten Tools auf Spurensuche nach bekannten Persönlichkeiten, die öffentlich über eigene psychische Belastungen berichtet haben. In kurzen, anschaulichen Präsentationen stellten sie deren Erfahrungen vor und diskutierten gemeinsam die Frage: Ist das eigentlich „krank“ – oder schlicht menschlich? Die Auseinandersetzung machte eindrucksvoll deutlich, dass Krisen zum Leben gehören und Offenheit im Umgang damit Mut und Stärke zeigt.
Ein weiterer Impuls widmete sich der Resilienz – der Fähigkeit, auch schwierige Lebenssituationen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen. Themen wie Selbstfürsorge, soziale Unterstützung, Bewegung und das Wahrnehmen eigener Grenzen regten zum Nachdenken über die eigene Lebenswelt an.
In kreativen Gruppenarbeiten vertieften die Jugendlichen diese Gedanken praxisnah: Mit großem Engagement gestalteten sie Plakate zu zentralen Aspekten psychischer Gesundheit. So entstand ein „Erste-Hilfe-Koffer für seelische Krisen“ mit konkreten Ideen, wie man sich in belastenden Situationen selbst stärken oder Unterstützung suchen kann. Eine weitere Gruppe stellte „Zehn Dinge, die mir guttun“ zusammen – alltagsnahe Strategien für mehr Wohlbefinden und innere Balance.
Weitere Plakate setzten sich differenziert mit der Frage auseinander, inwiefern moderne Medien zugleich Fluch und Segen für unsere Psyche sein können, sowie mit Stigmatisierung: Ängste, Vorurteile und gesellschaftliche Zuschreibungen gegenüber psychischen Erkrankungen wurden benannt, hinterfragt und Wege zu mehr Verständnis aufgezeigt. Die Präsentationen im Plenum waren persönlich, ehrlich und von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt.
Den Abschluss bildeten eine gemeinsame Auswertung und ein digitales Feedback per Smartphone. Zudem erhielten die Jugendlichen Informationsmaterialien zu regionalen und überregionalen Hilfs- und Beratungsangeboten – ein wichtiger Schritt, um mögliche Hemmschwellen abzubauen und Orientierung zu geben. In einer abschließenden Runde hatte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer noch einmal die Gelegenheit, eigene Eindrücke, Gedanken oder Wünsche zu teilen. Dieser offene Ausklang unterstrich die besondere Atmosphäre der Projekttage.
Die Teilnahme erwies sich als pädagogisch außerordentlich wertvoll – für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die beteiligten Lehrkräfte. Neben Wissen und Handlungskompetenz im Bereich psychischer Gesundheit wurden vor allem Empathie, Selbstreflexion und Klassenzusammenhalt gestärkt. Gleichzeitig erhielten auch die Lehrkräfte wertvolle Impulse für einen sensiblen, unterstützenden Umgang mit seelischen Belastungen im Schulalltag. Für die Schule insgesamt sind Projekte wie dieses von großer Bedeutung: Sie fördern eine Kultur des Respekts, der Achtsamkeit und des Miteinanders – und machen deutlich, dass seelische Gesundheit ein grundlegender Bestandteil von Bildung ist.
Ein herzliches Dankeschön gilt dem Team von Irrsinnig Menschlich e.V., das die Projekttage mit großer fachlicher Kompetenz und viel Einfühlungsvermögen gestaltete, sowie den engagierten Lehrkräften der Regelschule am Kiliansberg, die die Teilnahme ermöglicht und begleitet haben.
Mit Projekten wie „Verrückt? Na und!“ stärken wir unsere Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeit – und gestalten Schule als einen Ort, an dem Menschlichkeit, Verständnis und seelische Gesundheit selbstverständlich dazugehören.